Ja, ich arbeite, als Vollzeitmutter!

Auf die Gefahr hin zu nerven, aber mir fällt es auf!

Als Vollzeitmutter stosse ich beim Lesen diverser Artikel bei vielen Bloggerkolleginnen auf meine Berufsbezeichnung und werde dabei mit unschönen Titeln wie Hausmütterchen, Heimchen am Herd oder Übermutter bezeichnet!

Meine Arbeit, alles was ich so den ganzen Tag leiste als unbeliebte, nicht lohnende, undankbare Arbeit bezeichnet, als langweilig und damit als minderwertig beschrieben! Ich möchte niemanden angreifen und ich beziehe mich deshalb auf keine konkreten Artikel, es geht um meine persönliche Feststellung, die natürlich nicht objektiv ist, wie könnte sie das sein! Ich reagiere im Moment ganz sensibel auf solche Feststellungen, und das hat damit zu tun, dass ich mir selber sehr viele Gedanken mache, darüber wie ich meine jetzige Arbeit als Vollzeitmutter betrachte, weshalb sie diese Bedeutung hat oder warum ich auch manchmal das Gefühl habe, Wichtigeres zu verpassen!

Nein, ich bin kein Heimchen am Herd, und ich bin keine Übermutter, aber ich bin eine arbeitende Vollzeitmutter, mit abgeschlossenem Betriebsökonomiestudium und einem Hirn, das denken kann und drei Kleinkindern die mich voll und ganz fordern! Ich mag jetzt nicht mit einer Rechtfertigungstirade antworten, jeder der Kinder hat, weiss was es bedeutet und was ich den ganzen Tag so mache! Aber vermutlich werde ich als Vollzeitmutter nie ganz nachvollziehen können, wie es einer vollzeit- oder teilzeitarbeitenden Mutter geht und umgekehrt! Eins weiss ich aber ganz genau, beide arbeiten hart für die Erfüllung ihrer Träume, das Erreichen ihrer Ziele und das Realisieren ihrer Wünsche! Weshalb müssen dann „extern“ arbeitende oder berufstätige Mütter mit abwertenden Worte erklären, weshalb sie die „Heimarbeit“ nicht machen wollen, anstatt die Vorteile zu erwähnen, weshalb sie nicht „nur“ daheim arbeiten? Ich verstehe Frauen nicht, die ihre Vereinbarkeit erklären, indem sie aufzählen wie langweilig ihnen daheim war, wie nervig Wäschewaschen und zusammenlegen, wie anstrengend weinende und kranke Kinder sind? Ganz unbestritten, das trifft alles Phasen- und Minutenweise auf meine Arbeit zu! Allerdings erklärt wohl keine Vollzeitmutter ihre Entscheidung zu Hause zu bleiben mit der Argumentation, dass sie einen dominanten fordernden Chef im Büro hatte, sie die ständig nörgelden Kunden am Telefon genervt haben oder die täglichen Routinearbeiten im Büro sie so langweilig fand, dass sie Vollzeitmutter wurde!!! Keine!

Bitte, liebe Mütter, ich möchte keinen erneuten „Mommy war“ vom Zaun brechen, im Gegenteil, ich appelliere mit diesen Worten an eure Toleranz, nicht nur formell oder vorgegeben, Empathie ist das Stichwort und es beginnt am Sandkastenrand! Weshalb darf eine arbeitende Vollzeitmutter auf dem Spielplatz die vollzeitarbeitende Mutter nicht mit ihren Still- oder Schnullerproblemen volllabern, ja es ist halt gerade zu 200 Prozent ihre intensivste Arbeit, Projekthöhepunkt, darüber spricht jeder engagierte Mensch pausenlos! Weshalb nervt das die andere? Warum darf sich die vollzeitarbeitende, berufstätige Mamma nicht über die Belastung und die schlecht realisierbare Vereinbarkeit monieren ohne, dass die andere denkt, selber gewählt? Immer wieder und oft treffe ich auf solche Aussagen und gegenseitiges Unverständnis!

Ich bin gerade dabei, meine Rolle als Vollzeitmutter zu finden, es ist nämlich für mich nicht einfach, gehöre ich doch in meinem Umfeld eher zu einer Minderheit, und mir wird immer noch die dümmste Frage der Welt gestellt: Ah, du ARBEITEST nicht? Warum? Natürlich arbeite ich, ich habe gerade den schwersten, kreativsten, emotionalsten, anspruchsvollsten und spannendsten Job der Welt, dazu gehören auch nervige Kleinkinder, langweilige Wäscheberge, Tage an denen mir die Decke auf den Kopf fällt, Tage an denen ich an meiner Entscheidung Vollzeitmamma zu sein zweifle, Tage an denen ich an meinen Fähigkeiten für diese Aufgabe zweifle, daran richtig entschieden zu haben, Tage an denen ich sicher bin, bald mal was anderes tun zu wollen! Aber das versuche ich bei meiner „job description“ nicht zu erwähnen! Ich erwähne den Luxus der Zeit, der Langsamkeit, des Genusses, die Nähe zu meinen Kindern und die lustigen Episoden, die gewonnen Kämpfe, die überstandenen Hormonduschen, die erfolgreichen Erziehungsversuche, das andere gehört zu jedem Job der Welt eben auch dazu!

Ich habe einen riesen Respekt vor jeder Frau, die sich für Arbeit und Kind entscheidet, die die Vereinbarkeit lebt, oder es versucht! Ich gestehe hiermit, dass meine Entscheidung Vollzeitmutter zu sein, damit einhergeht, dass ich an dieser Vereinbarkeit gezweifelt habe, aber nicht grundsätzlich, nur für mein Leben, für mich als Person!

Die Leistung die „extern“ arbeitende Mütter erbringen ist riesig, und es gab da mal einen Brief auf Facebook von einer berufstätigen Mutter an eine Vollzeitmutter, den ich wunderschön fand und den gegenseitigen Respekt zum Ausdruck brachte! Mir ist bewusst, dass Mütter ganz lange für diese Art zu Leben kämpfen mussten, aber doch nicht heute! Ich als Vollzeitmutter muss mich vermutlich genau so oftrechtfertigen wie eine berufstätige Mutter, egal was wir tun, für andere wird es nie das richtige sein, aber wenigsten für uns Mütter sollte es richtig sein, egal wie sich andere Mütter entscheiden, weil ich nämlich jeder Mutter attestiere im Grunde nur das beste für ihr Kind und ihre Familie zu wollen. Ob das ein Aufenthalt in der KiTa ist oder einer Krippe mit Betreuung durch Fachpersonen, einer berufstätigen Mutter, die ihren Job hingebungsvoll liebt und darum zufrieden ist, oder einem Kind das von seiner zufriedenen Mutter daheim betreut wird, zufrieden weil sie eben auch ihrem Wunsch nachgeht, ihr Kind selbst zu betreuen!

Liebe Bloggerinnen, liebe Frauen, liebe Mütter, wir geben vor tolerant zu sein, sind wir es wirklich? Ich bitte darum! Ich bitte um Rücksicht, um Empathie, um Achtung und gegenseitigen Respekt für individuelle Wege, für persönliche Entscheidungen, die genau deshalb richtig sind, weil sie persönlich sind! Ich bin sicher, ihr stimmt mir alle zu! DANKE!

Advertisements

8 Kommentare zu „Ja, ich arbeite, als Vollzeitmutter!

  1. Ich bin über diesen Gesellschaftlichen Wandel zutiefst schockiert.
    Schockiert darüber wie viele Frauen einfach nur Mitläufer in der Gesellschaft sind und einfach vergessen haben wie wichtig Mutterschaft ist.
    Ist es nicht soooo viel wichtiger ein Leben zu führen indem wir Kinder mit Liebe und vor allem Zeit großziehen.Wir als Mütter sind Hüterinnen des Lebens und wenn wir mit unserer Liebe und Hingabe Kinder groß ziehen, die Respekt vor der Natur haben und vor dem Leben selbst , dann haben wir schon viel geschafft.Kinder zu erziehen, die höhere Werte aus dem Elternhaus mitbekommen, Nestwärme und und und ist unsere Aufgabe.
    Unsere moderne Welt ist zum großen Teil krank und gestört und es ist meiner Meinung nach krank, wenn Frauen die Pflege und Erzihung ihrerKinder abgeben sn die sogenannte Fremdbetreuung , nur um einem krankhaftem System zu dienen welches die Erde zerstört.
    Ich denke viele Frauen , die Berufstätig sind arbeiten auch noch für Firmen, die die Erde ausbeuten.
    Es tut mir leid hier so extrem aufzutreten aber es ist manchmal nötig auch den anderen Gegenpol zu sehen.
    Ich selber habe 4 Kinder und bin Vollzeitmutter und dieser Blog hat mir aus dem Herzen gesprochen.
    Danke.
    Ich möchte alle Frauen stärken und wertschätzen für die Entscheidung bei ihren Kindern zu bleiben.
    Der Gesellschaftliche Druck ist groß aber falsch.
    Ich bin der Meinung der Job sollte um die Mutterschaft herum gebaut werden und nicht umgekehrt.

    1. Dieser Kommentar spricht mir aus der Seele. Ich habe zwei Kinder, bin geschieden, muss arbeiten gehen.

      Mir tut es weh, wenn z.B. die Schule wegen Glätte ausfällt, die Kinder mit ihren Freunden nach Hause kommen, und ich muss die Oma bitten, ein Auge darauf zu haben, weil ich ja in die Arbeit muss.
      Ich wäre lieber zuhause und würde die ganze Meute betreuen, es tut mir weh, diesen Job nicht ausüben zu DÜRFEN..

      Außerdem habe ich mir immer eine Großfamilie gewünscht, meinem Ex-Mann waren andere Dinge (arbeiten, Häuser bauen, viel Geld ging für diese drauf, dann kam der Burnout, dann die einzige Besinnung auf sein eigenes Wohl) wichtiger, mittlerweile sind wir getrennt, ich bin auf meinen Verdienst mehr denn je angewiesen.

      Übrigens habe ich bis zu meinem 31. Lebensjahr durchgehend gearbeitet,
      ich habe erst spät Kinder bekommen, außerdem bewusst auf ein Studium (Ausbildung zur Erzieherin statt Sozialpädagogikstudium) verzichtet, damit ich so lange wie möglich voll arbeiten gehen und im Vorfeld schon eine finanzielle Basis schaffen kann . Die Familie war mein Lebensziel und ich wollte wie schon im Kommentar von Juma beschrieben, einen Job haben, der nach der Geburt der Kinder um die Mutterschaft herum gebaut werden kann, nicht umgekehrt.
      In den ersten Jahren hat es prima geklappt, ich habe zwei Tage/Woche gearbeitet, an denen die Oma die Kinder betreut hat.

      Die restliche Zeit gehörte den Kindern. Das war und ist einfach mein Traumjob.
      Die Zeit war wunderschön.

      Doch jetzt bin ich geschieden (Mann hat eine andere, ist seit 7 Jahren psychisch krank und Rentner auf Zeit, die Kinder waren ihm eher zuviel,
      nicht zuletzt seinetwegen musste ich auf drei oder mehr Kinder verzichten.
      Jetzt kommt dazu, dass es in der Arbeit viele negative Veränderungen gegeben hat, auch noch an Arbeitszeiten gedreht wird, und zwar so, dass es für mich als Mutter ungünstiger ist. Ich kann gar nichts machen. Ich weiß, ich habe zwar „nur“ Teilzeit, aber trotzdem muss ich jeden Tag los und bin nie eher daheim, wenn ein Kind mal nur fünf Schulstunden hat.
      Schlicht und einfach versuche ich, den Mutter-Job im Rahmen meiner Möglichkeiten gut zu „erledigen“

      Ich weiß, dass ich vielleicht auf hohem Niveau lamentiere, aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die immer nach beruflichem Fortkommen gestrebt haben oder denen zuhause die Decke auf den Kopf gefallen ist.
      Natürlich kann jeder machen und denken, was er will, aber ich hätte mich für einen anderen Lebensentwurf entschieden. Was ich damit sagen will, oft hat man gar keine Entscheidungsfreiheit und muss mit dem klarkommen, was einem das Leben gibt….

  2. Endlich hab ich mal eine Gleichgesinnte in gleicher Lebenslage gefunden. Meine drei Kinder sind 5j, 3,5J. und 2J. Und da kann man die erste Zeit quasi nix anderes als Vollzeit als Mutter arbeiten. Langsam wird es etwas leichter, aber da muss ich auch mal ein bisschen Luft holen, sonst falle ich vor Erschöpfung einfach um. Lass uns vernetzen und zusammen lachen. Lg

    1. So gut, da gibt es also andere! Ich finde auch, dass ich nach 5 Jahren mal endlich wieder Luft holen kann, alle können laufen, sich auf irgendeine Art verständigen und ich finde es gut, dass Unternehmungen spannend werden und uns die Welt langsam wieder offen steht oder geht jemand mit einem Baby ins Theater? Ich bin leider hier auf dem Blog nur für kurze Zeit aktiv gewesen, Luft holen und so, aber auf Instagram schreibe ich Tagebuchähnliches mit Bildern! Falls du Lust hast uns da zu folgen, super gerne! Freue mich auf einen Austausch!

  3. Hallo,
    Ich bin gerade im Prozess nun bald auch Vollzeitmama zu werden! Obwohl ich nun schon seit der Geburt meiner Tochter vor einem Jahr täglich darüber nachdenke und vom Herzen weiß, dass es die richtige Entscheidung ist, fängt mein Herz immer noch an zu rasen wenn ich daran denke, dass ich nun bald wirklich diesen Riesenschritt wagen möchte. Ich fühle mich eigentlich gut vorbereitet, habe eine lange Liste von Dingen die ich tun möchte wenn ich endlich tagsüber Zeit mit meiner Tochter verbringen kann, habe einen großen Freundeskreis mit vielen Vollzeitmama’s und habe darüberhinaus im Job gerade eine Veränderung die den Absprung erleichtert… und dennoch habe ich viel Angst vor der Ungewissheit! Ich lese viel, dass Mütter die sich entscheiden Zuhause zu bleiben, Probleme mit ihrer neuen Identität haben, weil sie doch jetzt „nur“ noch Mutter sind… das finde ich sehr traurig! Ich kann deine Frustration komplett nachvollziehen was die fehlende Anerkennung von Vollzeitmüttern angeht. Was gibt es denn wichtigeres im Leben als mit Hingabe die nächste Generation zu erziehen? Natürlich geht das auch wenn man Vollzeit arbeitet und viele Eltern haben auch nicht unbedingt die Option, dass ein Elternteil zuhause bleibt, aber wenn sich Eltern dafür entscheiden sich ganz ihren Kindern zu widmen, dann sollte das meiner Meinung nach mehr Bewunderung ernten als mitleidige Blicke, weil die Vollzeitmutter doch jetzt leider ihre Studiengebühren vergeudet hat, da sie ihr Studium ja gar nicht nutzt… Immerhin habe ich auch gelesen, dass sich heutzutage immer mehr gebildete Frauen entscheiden mit ihren Kindern zuhause zu bleiben – so viel wie noch nie zuvor in der Geschichte. Vielleicht wird sich hiermit auf längere Sicht etwas an der Einstellung der Gesellschaft ändern.

    1. anstatt dich zu kritisieren bewundere und beneide ich dich zugleich. ich würde so gerne zu hause sein. ich muss aber arbeiten. und das heißt noch lange nicht das es Zuhause einfach ist.im Gegenteil. ich finde es toll was u wie du alles machst.alles Gute

    1. Dein Text fasziniert mich, und entspricht in etwa meinem Leben in zwei, drei Jahren! Leider ist es auch irgendwie ernüchternd, oder eben nicht, ich meine vielleicht müssten wir anfangen davon zu reden was wir als Mütter mit unseren Kids alles leisten, lernen, erleben anstatt der nicht erlebten beruflichen „Karriere“ nachzutrauern, weshalb nicht von unseren familiären Karrieren berichten, welche Projekte anstehen, wie wir sie angehen, wie wir darüber denken, was wir erreichen möchten? Viele tun es in ihren Blogs, das finde ich gut!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s